Zürich, den 15. April – 100‘000 Menschen im Kanton Zürich sind von Armut betroffen. Anlässlich des Europäischen Jahres zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung hat sich Caritas Zürich eine Kampagne der besonderen Art einfallen lassen. «Scheisse, meine Tochter wurde schon wieder an einen Kindergeburtstag eingeladen», oder: «Ich habe einer Frau nichts zu bieten. Nicht mal ein Glas Wein.» Solche Sätze von Armutsbetroffenen werden in den kommenden Wochen und Monaten im Rahmen einer Wanderausstellung in verschiedenen Städten im Kanton Zürich zu lesen sein. Plakate konfrontieren die Öffentlichkeit mit der Tatsache, dass es mitten unter uns Menschen gibt, die am Existenzminimum oder sogar darunter leben – und zeigen auch gleich, was das für den einzelnen bedeutet.
Weitere Aktionen führt Caritas Zürich in den Städten Zürich und Winterthur durch. So wird beispielsweise ein Brunnen als einzige Möglichkeit für manche Leute deklariert, auswärts etwas trinken zu gehen. Zudem werden leere Portemonnaies verstreut, die darauf aufmerksam machen, dass unzählige Mitmenschen praktisch nie Geld im Sack haben. Und es kommt ein Kinderbuggy zum Einsatz – ohne Kind, dafür mit der Erklärung, warum ein solches nicht vorhanden sei, nämlich aus Budgetgründen.
Mit dieser Kampagne unter dem Titel «wir sind arm» (http://www.wir-sind-arm.ch) macht Caritas Zürich darauf aufmerksam, dass eine beachtliche Zahl Menschen im Kanton Zürich an chronischer Geldknappheit leiden – und verdeutlicht, welche Unannehmlichkeiten Armut hier und heute mit sich bringt.
Veranstaltungshinweis: Am 24. April 2010 zeigt Caritas Zürich mit einem Informationsstand und einer Performance professioneller Theaterschaffender, wie es sich anfühlt, im reichen Zürich bzw. in der reichen Schweiz arm zu sein. Auf dem Hirschenplatz in Zürich, von 10 bis 16 Uhr.
Nach einigen Jahren an Vorarbeiten ist Anfang Monat das Buch zum Denknetz Projekt einer Allgemeinen Erwerbsversicherung AEV erschienen. Die Autoren und Autorinnen haben sich, was vom Gewerkschaft nahem Denknetz nicht selbstverständlich ist, bemüht einen Ansatz zu entwickeln der realisierbar scheint und nicht nur Unterstützung von linker Seite verdient. Es stellt sich dabei eher die Frage ob die CH Sozialpolitik politisch überhaupt noch reformierbar ist?
Die AEV hat zum Ziel Sozialhilfe, IV und ALV Arbeitslosenversicherung unter ein Dach zu bringen und um Familienergänzungsleistungen zu ergänzen.
Der Wirtschaftspublizist Werner Vontobel scheint im Sonntagsblick plötzlich Geschmack an innovativen Ansätzen zu finden. Auf jeden Fall erstaunt es, dass Themen die sonst eher im Ressort Kultur/Soziales zu finden sind, es plötzlich auf die Wirtschaftsseite schaffen.
Zitate:
“Der Versuch, die ganze Welt mit einer einzigen Maschine laufen zu lassen, ist soeben grandios gescheitert», resümiert der SozialÂethiker Prof. Hans Ruh (75). Wir haben voll auf die globale Wirtschaft gesetzt und so die lokalen Netze geschwächt.  ….
… Auch die geldlose Wirtschaft müsste ausgebaut werden. In Deutschland, wo die Normalbürger schon viel stärker unter die Räder der Globalisierung gekommen sind, stehen dabei vor allem zwei Lösungsansätze im Vordergrund:
Ein Grundeinkommen von 1500 Euro pro Kopf und Monat – unabhängig davon, ob jemand eine bezahlte Arbeit hat oder sucht. …
Regiogeld, Lokale WährunÂgen waren in der Krise der Dreissigerjahre ein grosser Erfolg. Ein Strafzins sorgte dafür, dass das Geld im Umlauf blieb, was Arbeitsplätze schuf”. …(Sonntagszeitung, 1.3.2009)
Endlich ein Steuerreformvorschlag der einfach, wirkungsvoll und auch theoretisch begründet ist.
Die Reform schlägt “die Übertragung des Verfassungs-Prinzips der Besteuerung gemäss wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit von den Individuen auf die Produktionsfaktoren, vor.
Dieser Vorschlag genügt dem Kriterium moderner Steuerexperten, dass ein Steuerreform-Vorschlag auf einen Bierdeckel passen sollte. Dementsprechend
sollte die Last der Steuern und Sozialabgaben folgendermassen verteilt werden:
20 Prozent auf die Arbeit,
30 Prozent auf das Kapital,
50 Prozent auf die Energie.
Eine derartige 20/30/50 Steuerreform ist die folgerichtige fiskalische Konsequenz aus der technisch-ökonomischen Evolution: Nach der neolithischen Revolution
mit ihrer Entwicklung von Ackerbau und Viehzucht konnten immer mehr Menschen für handwerkliche, administrative und künstlerische Tätigkeiten
von der direkten Nahrungsbeschaffung freigestellt werden” (Kümmel, 2008, Zusammenfassung der Vorlesung “Thermodynamik und Ökonomie”, S.9)
Der 2. Grundeinkommens-Kongress findet vom Freitag, 05. Oktober 2007 bis Sonntag, 07. Oktober 2007 in den Räumlichkeiten der Universität Basel statt. http://www.grundeinkommen2007.org
Was hilft es Dir, damit zu prahlen,
dass Du ein freies Menschenkind?
Musst Du nicht pünktlich Steuern zahlen,
obwohl sie Dir zuwider sind?
(Wilhelm Busch, in „Schein und Sein“)
Ein allzu oft übersehener Bereich in den Diskussionen um Soziale Ungleichheit oder alternative Wirtschaftssysteme ist die Frage nach der Steuergerechtigkeit. Weiterlesen »
Sozialraumarbeit kostet Geld, viel Geld wenn man bedenkt, dass Resultate schwer zu quantifizieren sind. Zum Beispiel ist es ja durchaus möglich soziale Brennpunkte in einem Quartier zu entschärfen aber vielleicht haben sich die Probleme dann einfach ins nächste Quartier oder in die nächste Stadt verlagert. Was noch mehr Geld kostet ist die staatliche Existenzsicherung, die zugegebenerweise nichts mit Sozialraumarbeit zu tun hat, deren Ausgestaltung aber einen direkten Einfluss auf die Erfolgschancen sozialräumlicher Massnahmen aufweist. Es wäre daher durchaus denkbar, dass die sozialraumorientierte Sozialarbeit sich auch für Existenzsicherungsmodelle wie das staatliche Grundeinkommen einsetzen könnte um die AdressatInnen zuerst mal vom ökonomischen Druck zu entlasten und damit quasi die Voraussetzung für Sozialraumarbeit zu verbessern. Weiterlesen »