Nach einigen Jahren an Vorarbeiten ist Anfang Monat das Buch zum Denknetz Projekt einer Allgemeinen Erwerbsversicherung AEV erschienen. Die Autoren und Autorinnen haben sich, was vom Gewerkschaft nahem Denknetz nicht selbstverständlich ist, bemüht einen Ansatz zu entwickeln der realisierbar scheint und nicht nur Unterstützung von linker Seite verdient. Es stellt sich dabei eher die Frage ob die CH Sozialpolitik politisch überhaupt noch reformierbar ist?
Die AEV hat zum Ziel Sozialhilfe, IV und ALV Arbeitslosenversicherung unter ein Dach zu bringen und um Familienergänzungsleistungen zu ergänzen.
„Die Idee von Schutz, Wiederaneignung und Erweiterung der Sphäre der Gemeingüter ist ein Kompass für den Weg in eine sichere Zukunft.“ (Silke Helfrich)
“Gemeingüter sind Räume, in denen wir frei sind.” (Yochai Benkler, Harvard University)
Wasser und Wissen, die Bausteine des Erbgutes und die Weite des Weltalls – auf den ersten Blick scheint sie nichts zu verbinden. Und doch bilden sie die Gemeingüter/Commons, die alle Menschen miteinander teilen – und die der Gesellschaft immer mehr verloren gehen. Die Welt gehört nicht mehr allen; unsere Commons werden privatisiert, eingezäunt und kommerzialisiert und sind dadurch unbezahlbar geworden.
Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter, herausgegeben von Silke Helfrich mit der Heinrich-Böll-Stiftung und soeben im oekom verlag erschienen, wirft einen neuen, themenübergreifenden Blick auf den Zustand unserer Gemeinschaftsgüter (siehe http://www.sonnenseite.com/Buch-Tipps,Wem+gehoert+die+Welt+,34,a12372.html).
Ein Thema dessen Dringlichkeit nicht zu unterschätzen ist. Dem Ausverkauf der öffentlichen Güter und dem Gerede der Marktfähigkeit von natürlichen Monopolen muss ein Riegel geschoben werden. Doch leider verhindert an allen Ecken das Denken der Besitzstandwahrung eine vernünftige politische Diskussion. Und sobald die Finanzkrise auch auf die öffentlichen Institutionen durchschlägt, sind die Kommunen gerne wieder bereit ihre finanziellen Engpässe mit der Veräusserung der bald letzten Quadratmeter gemeindeeigenen Boden zu lösen.
„Wenn die Krise zuschlägt, dann sind es die Armen und Entrechteten, deren Leben ins Wanken gebracht wird. Sie brauchen am längsten, um sich von der Krise zu erholen. Manchmal gelingt es ihnen niemals, zu ihren vormaligen Leben zurückzukehren.” Sakiko Fukuda-Parr, Professor für Internationale Angelegenheiten an der New School in New York.
So beginnt der Hintergrundbericht von Mohammed Dockrat und S. Wilms in der islamischen Zeitung.
Sind die Finanzmärkte am Beben, kommt sogar das CH-Leibblatt der Banker zum Philosophieren über das Geld. In der heutigen Ausgabe der NZZ finder man, im Kulturteil notabene, eine Art Rezension über das Buch “Philosophie des Geldes” von Georg Simmel. Die Rezension kommt etwas spät, denn das Buch wurde schon im Jahre 1900 veröffentlicht!
“… Simmel führt die Macht, die das «fliessende» Geld über das Leben gewonnen hat, allerdings letztlich doch wiederum auf ein Nichts zurück, das dem Papst, mittelbar, recht geben könnte: auf den «Mangel an Definitivem im Zentrum der Seele». Das liesse sich ins Religiöse zurückübersetzen: Gott wohnt nicht mehr im Herzen der Menschen. Es ist dies nach Simmel ein Mangel, der dazu treibe, in immer neuen «Anregungen, Sensationen, äusseren Aktivitäten eine momentane Befriedigung zu suchen»; ein Mangel, der uns «in die wirre Halt- und Rastlosigkeit» verstricke, die sich «bald als Tumult der Grossstadt, bald als Reisemanie, bald als wilde Jagd der Konkurrenz, bald als die spezifisch moderne Treulosigkeit auf den Gebieten des Geschmacks, der Stile, der Gesinnungen, der Beziehungen» offenbare …” (Uwe Justus Wenzel in der NZZ vom 27.10.08).
Was die NZZ nicht erwähnt ist, dass Simmel einer der ersten war der sich ’philosophisch’ mit der Doppelrolle des Geldes als Tauschmittel und Kapital auseinandersetzte (vgl. Flotow von, 1994). Eine ebenfalls zentrale Aussage in seinem Werk „Philosophie des Geldes” ist die Definition von Tausch und Geld als eine „substanzgewordene Sozialstruktur” (Rammstedt, 1994, S.30). Geld ist somit ein allgegenwärtiger Identitätsfaktor einer modernen Gesellschaft und wirkt nach Simmel auch als Hauptantrieb für Wandel und Beschleunigung der Zeit.
Muhammad Yunus
„Die Finanzkrise trifft die Armen besonders hart”
Muhammad Yunus hat ein Microcredit System in den USA gestartet. Yunus schätzt dass in den USA 20 Mio. Menschen kein Bankkonto bekommen weil sie nicht kreditwürdig sind.
Heute sendete DRS2 im “Kontext” ein hörenswertes Interview mit dem Sozialphilosophen Johannes Heinrichs:
“In der Weltwirtschaft herrscht Marktwirtschaft pur. Als der Kapitalismus den Wettlauf der Systeme gewann, folgte eine weltweite Globalisierung von Geldwirtschaft, Gütermärkten und Produktionsstandorten. Nun scheint diese Weltwirtschaft am Abgrund zu stehen. Ist es das Ende des Kapitalismus?
Der Bankenkollaps betrifft längst nicht nur die USA, die Rezession schwappt nach Europa herüber. Welchen Ausweg gibt es aus dem Teufelskreis, in dem die Wirtschaft steckt? Fragen von Hansjörg Schultz an den Sozialphilosophen Johannes Heinrichs” (DRS2 http://www.drs2.ch/www/de/drs2/sendungen/kontext/5004.sh10052435.html).
Der leider nur einigermassen bekannte deutsche Philosoph und ehemalige Jesuit Johannes Heinrichs hat im Jahr 2005 ein bemerkenswertes Buch über eine neue sozialethische Wirtschaftstheorie geschrieben. Er verbindet dabei elegant die Theorien von Silvio Gesell mit den von Karl Marx und anderen. Aus sozialwissenschaftlicher Sichtweise besonders interessant ist, wie er die Systemtheorie, die ja bekanntlich nicht gerade als humanistisch bezeichnet werden kann, mit fundierter spiritueller Philosophie und Systemkritik verbindet.
Ich kann nur sagen, wow, chappeau oder wie auch immer!
P.S: Das Buch ist trotz der komplexen Materie noch einigermassen lesbar.
Heinrichs, Johannes. (2005). Sprung aus dem Teufelskreis. Sozialethische Wirtschaftstheorie, Band I. München: Steno Verlag.
Auch sehr interessant, aber schon sehr nahrhafte Bettlektüre:
Heinrichs, Johannes. (2005). Logik des Sozialen. (Eine erweiterte Neuauflage von “Reflexion als soziales System”, 1976) München: Steno Verlag.
Auszug aus: Fritz Schwarz Vorwärts zur festen Kaufkraft des Geldes und zur zinsbefreiten Wirtschaft
überarbeitete Neuauflage 2007
Verffentlicht im Synergia Verlag, Wilhelm-Leuschner-Str. 36, 64293 Darmstadt www.synergia-verlag.de, Alle Rechte vorbehalten
Originalwerk publiziert 1931 bei Genossenschaft Verlag Freiwirtschaftlicher Schriften, Bern
Copyright 2007 Synergia Verlag, Darmstadt
ISBN-13: 978-3-940392-01-5
Mit freundlicher Genehmigung von Frau Ruth Binde-Schwarz in Vertretung der Erben