Bundesrat Pascal Couchepin lancierte im Rahmen seines jährlichen Treffens mit den Medien im Sommer 2007 die Diskussion zu einer auf nationaler Ebene einzuführenden, nicht-zeitgleichen Zeittauschbörse. Dabei sollten ältere Menschen freiwillig Betreuung, Begleitung und/oder Pflege im Altersbereich leisten, wofür sie dann Zeitgutschriften erhalten würden. Diese könnten sie zu einem späteren Zeitpunkt gegen ähnliche Leistungen eintauschen (Zeitgutschriftensystem).
Im Jahr 2008 beauftragte das Bundesamt für Sozialversicherung das Büro BASS mit einer Studie über diese Thematik. Ende 2008 ist sie erschienen und vor einer Woche vermeldeten die Medien, dass in St. Gallen ein Pilotprojekt gestartet wird (TA, 2009.07.13 , S.3).
Die BASS Studie ist nüchtern und fundiert geschrieben. Sie zeigt auch auf, dass Zeitbörsen und andere Komplementärwährungen im grösseren Massstab nur eine Chance haben, wenn sich die Politik die Mühe macht positive Rahmenbedingungen dafür zu setzen. Aus Grossbritannien, wo die Einführung solcher Systeme schon fortgeschrittener ist, kommen folgende drei Forderungen zum Abbau von Hürden an die Politik:
“Die Güter als Entschädigung, die von Zeitbanken eingesetzt werden, um stärkere Partizipationsanreize auszusenden, werden als Einkommen eingestuft und unterliegen somit der Steuerpflicht.
Arbeitslosen, die sich aktiv in Zeitbanken engagieren, wird die Höhe des Arbeitslosengelds gekürzt.
Auf arbeitslose Teilnehmer von Zeitbanken wird durch die Arbeitsmarktpolitik Druck ausgeübt, in den ersten Arbeitsmarkt zurückzukehren” (Seyfang zit. in BASS, 2009, S.37).
Im alten Rom hat ein Senator vorgeschlagen, man sollte alle Sklaven mit einem weissen Armband versehen, um sie besser erkennen zu können. „Nein“, sagte ein weiser Senator, „Wenn sie sehen wie viele sie sind, dann gibt es einen Aufstand gegen uns.“ (aus http://alles-schallundrauch.blogspot.com/)
Nun wir sind vielleicht in der Schweiz noch nicht soweit als Sklaven behandelt zu werden. Aber Systemsklaven sind wir schon lange. Doch Aufstände? Im sichersten und reichsten Land der Erde? Vielleicht nicht mal so abwegig wenn man sich ein Zitat aus dem heutigen Tages Anzeiger durch den Kopf gehen lässt. In einem Hintergrund Artikel zitiert Constatin Seibt einen zufällig getroffenen Banker folgendermassen: “Was meine besten Kunden an der Finanzkrise wirklich fürchten sind Aufstände”. – “Aufstände? Das ist nicht ihr Ernst” (CB). “Doch, sie würden sich wundern, wie viele reiche Leute sich kleine Zweitwohnungen in Mittelklassequartieren gekauft haben . Damit sie dort untertauchen können, wenn die Villenviertel brennen” (TA, 29.5.09, S.8).
Jetzt stellt sich nur noch die Frage wie man die neuen Nachbarn willkommen heissen soll. Sollte man ev. den Sekt schon kaltstellen oder besser ein Bier?
„Die Idee von Schutz, Wiederaneignung und Erweiterung der Sphäre der Gemeingüter ist ein Kompass für den Weg in eine sichere Zukunft.“ (Silke Helfrich)
“Gemeingüter sind Räume, in denen wir frei sind.” (Yochai Benkler, Harvard University)
Wasser und Wissen, die Bausteine des Erbgutes und die Weite des Weltalls – auf den ersten Blick scheint sie nichts zu verbinden. Und doch bilden sie die Gemeingüter/Commons, die alle Menschen miteinander teilen – und die der Gesellschaft immer mehr verloren gehen. Die Welt gehört nicht mehr allen; unsere Commons werden privatisiert, eingezäunt und kommerzialisiert und sind dadurch unbezahlbar geworden.
Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter, herausgegeben von Silke Helfrich mit der Heinrich-Böll-Stiftung und soeben im oekom verlag erschienen, wirft einen neuen, themenübergreifenden Blick auf den Zustand unserer Gemeinschaftsgüter (siehe http://www.sonnenseite.com/Buch-Tipps,Wem+gehoert+die+Welt+,34,a12372.html).
Ein Thema dessen Dringlichkeit nicht zu unterschätzen ist. Dem Ausverkauf der öffentlichen Güter und dem Gerede der Marktfähigkeit von natürlichen Monopolen muss ein Riegel geschoben werden. Doch leider verhindert an allen Ecken das Denken der Besitzstandwahrung eine vernünftige politische Diskussion. Und sobald die Finanzkrise auch auf die öffentlichen Institutionen durchschlägt, sind die Kommunen gerne wieder bereit ihre finanziellen Engpässe mit der Veräusserung der bald letzten Quadratmeter gemeindeeigenen Boden zu lösen.
In Kalifornien probt eine kleine Gemeinde einen Versuch mit einer Komplementärwährung die Lebensmittel gedeckt ist.
In Willits glauben immer mehr Einwohner nicht an den wieder steigenden Wert von Papiergeld. Das Vertrauen in den klassischen Dollar sinkt in Willits.
Sie haben zunächst 600 ’10-Dollar-Noten’ ausgegeben und für die eingenommenen Dollar sofort haltbare Lebensmittel gekauft: etwa Reis, Getreide und Bohnen. Die »Mendo Credits« genannte Zweitwährung wird inzwischen an einigen Plätzen von Willits ganz offiziell akzeptiert.
Lord Josiah Stamp, ehemaliger Direktor der Bank von England (Er musste es wissen!), warnte uns kurz vor seinem Tod 1940 eindrücklich: „The modern banking system manufactures money out of nothing. The process is perhaps the most astounding piece of sleight of hands, that was ever invented. Banking was conceived in iniquity and born in sin. Bankers own the earth; take it away from them, but leave them with the power to create credit, and with the stroke of a pen they will create enough money to buy it all back again. Take this power away from them and all great fortunes like mine will disappear, and they ought to disappear, for then this world would be a happier and better world to live in. But if you want to be slaves of the bankers, and pay the costs of your own slavery, then let the bankers control money and control credit” (zit. in Frey, 2005, S.66).
Frey, Y. (2005). Die gläubigen Schuldner, Die spirituellen Gründe des Geldwahns. Norderstedt: Books on Demand.
Deutsche Übersetzung:
“Das moderne Bankensystem erzeugt Geld aus dem Nichts. Der Prozess ist vielleicht der faszinierendste Taschenspielertrick der je erfunden wurde. Banking wurde in Ungerechtigkeit und in Sünde geboren. Banker besitzen die Erde: nehmen Sie sie ihnen wieder weg, aber lassen Sie ihnen die Macht, um Kredite mit einem Kugelschreiber zu generieren, werden sie genug Geld machen um alles wieder zurück zukaufen. Nehmen Sie ihnen diese Macht weg, und alle grossen Vermögen wie meines werden verschwinden, und sie sollten verschwinden, denn dann wäre dieser Welt ein glücklichere und bessere Welt, um darin zu leben. Aber wenn Sie Sklaven der Banker sein wollen und die Kosten Ihrer eigenen Sklaverei selber tragen wollen, dann lassen Sie die Banken Geld und Kredit kontrollieren” (übers. bluecast).
Leider sind wir auch nach 70 Jahren nicht viel weiter.
Norbert Rost 13.03.2009 in Telepolis
“Das alte Geld stirbt, das neue wird verschlüsselt, sicher, dezentral und nutzerfreundlich sein.
No Future an den Finanzmärkten des alten Jahrtausends. Das Geld der Zukunft basiert auf Dezentralbanken und Open Source, ist frei konfigurierbar und jeder Nutzer darf an verschiedenen Systemen gleichzeitig teilnehmen.
Ein Link auf die Homepage der Universität St. Gallen zu aktuellem Anlass:
In diesem Dossier finden Sie eine Auswahl an Medienbeiträgen einzelner HSG-Professorinnen und -Professoren mit unterschiedlichen Blickwinkeln zur aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise (Banking, Finanzwissenschaft, Volkswirtschaft, Recht, Wirtschaftsethik, etc.).