Das beste (langfristige) Rezept gegen die Finanzkrise findet man/frau im Brockhaus. Mal angenommen Lieschen Müller ist nicht auf den Kopf gefallen und hat genug von den Rezepten und Vorhersagen der Finanzexperten. Sie will zuerst mal wissen, wie das funktioniert, dass plötzlich so viel Geld entstehen konnte und jetzt wieder plötzlich veschwindet. Sie zieht ihren Brockhaus aus dem Regal und schaut zuerst mal nach unter dem Begriff “Geldschöpfung”.
„Geldschöpfung: der Prozess der Gewährung von Krediten und der Bildung von (Sicht-)Einlagen mit dem Effekt einer Vermehrung der Geldmenge. Die Notenbank schafft Geld, indem sie Aktiva der Geschäftsbanken (z. B. Devisen, Geldmarktpapiere) ankauft und den Banken Sichtguthaben einräumt, die diese im Verrechnungsverkehr untereinander nutzen oder als Bargeld abheben können. Die Geschäftsbanken schaffen auf dreierlei Weise Geld. Erstens können sie Geldsubstitute in Sichteinlagen umwandeln, zweitens von Nichtbanken z. B. Gold, Devisen oder Wertpapiere erwerben und den Gegenwert als Einlage gutschreiben, und drittens können sie Kredite an Nichtbanken vergeben und diesen entsprechende Guthaben einräumen (Kreditschöpfung). Die auf diese Weise der Wirtschaft zufliessenden Finanzmittel werden grundsätzlich v. a. als Sichteinlagen auf Girokonten gehalten (daher auch die Bezeichnungen Buchgeld- oder Giralgeldschöpfung; Geld)… ” (Brockhaus, 2007, Geldschöpfung). Weiterlesen »
ubs! Da haben sich nicht wenige PolitikerInnen und Leute aus der Wirtschaft ein wenig verrechnet. Genau gesagt um 60 Milliarden Dollar.
Apropos Vertrauen: Vertrauen und Vertrauenskrise sind wohl die neuen Schlag- (Un)worte des zu Ende gehenden Jahrzentes. Ein prüfenswerter Vorschlag an Politk und Wirtschaft wäre eine Pflicht für alle Vertrauensprediger ihre aktuellen und vergangenen finanziellen Transaktionen offenzulegen. Wer hat schon umgeschichtet und wer seine UBS Papiere verkauft? Das wäre dann schon beinahe wie beim Radsport, man könnte Wetten darauf abschliessen wer noch clean ist. Da das Vertrauen in die Politk in Kürze auf UBS Niveau absinken könnte, sind jetzt die waren Patrioten der Schweiz gefragt. Wer wagt wie weiland Winkelried seine Kontos zur UBS zu zügeln? Und die ganz mutigen dürfen sich gegenseitg noch mit UBS Aktienpakete überbieten. Hui wer wagt gewinnt, oder auch nicht, die wagemutigsten bekommen auch noch eine Tapferkeitsmedaille.
Ansonsten hilft nur noch eines: Beten für die UBS, oder besser für die Ramschpapiere des 60 Milliarden Dollar Kredits.
Hoffentlich ist das Währungsrisiko des Dollarkredits irgendwie abgesichert, ansonsten hilft auch wohl beten nichts mehr.
(überarbeitet am 20.10.08)Â
Wer sich dafür interessiert wie der Kredit Deal abläuft, der Artikel von Andreas Flütsch im TagesAnzeiger erklärt wie.
Leserbrief von Hanspeter Bühler-Racle erschienen im TagesAnzeiger von heute. (mit freundlicher Genehmigung des Autors)
“1980 betrug die Welt-Geldmenge 12 Billionen US-Dollar. Das Weltinlandprodukt, also die real erarÂbeitete Wirtschaft der gesamten Welt eines Jahres, war identisch mit der GeldÂmenge. Heute haben wir eine GeldÂmenge von 150 Billionen US-Dollar. Dem entgegen steht lediglich ein WeltinlandÂprodukt von 54 Billionen US-Dollar. Schon das allein ist ein gefährliches Missverhältnis, das Bankfachleuten und kompeÂtenten Finanzpolitikern längst hätte aufÂfallen müssen. Das eigentliche Übel aber ist die gigantische Blase der imaginären, irrealen, also kursabhängigen Werte (ZerÂtifikate, Derivate etc.), die mit 500 BilÂlionen Dollar zu Buche stehen. Nun rennen die Politiker aller Länder wie aufgeschreckte Hühner durcheinanÂder und überbieten sich gegenseitig mit Rettungsvorschlägen für Finanzinstitute, die während der letzten 25 Jahre die BörÂsenkurse durch leichtfertige AkquisitioÂnen in schwindelerregende und absolut irÂreale Höhen getrieben haben. Aber alle Rettungsmassnahmen sind nichts anderes als ein Tropfen auf den heissen Stein. Man wirft schlechtem Geld auch noch gutes Geld nach, das heisst dasjenige der «öfÂfentlichen Hand». Diese StaatsinterventioÂnen auf Kosten der Steuerzahler lassen ein sehr einseitiges Bild entstehen: BörsengeÂwinne flossen jahrzehntelang entspreÂchend der deregulierten freien MarktwirtÂschaft den Spekulanten zu, und die BillioÂnenverluste werden nun sozialisiert. Hier frage ich mich wirklich «Qui bono?» – wem nützen die Hilfsmassnahmen? Bevor sich die Kurse nicht wieder auf einer annäÂhernd realen Ebene eingependelt haben, würde man besser umgehend und resolut an die Wurzeln des Übels herangehen, als nutzlos Symptome zu bekämpfen. Besonders delikat ist der Umstand, dass keine arabische Finanz-Supermacht sich zurzeit in Refinanzierungen der teilweise mehr als maroden Finanzinstitute einlässt. Die arabische Öllobby wartet ab, bis die Kurse auf einem Tiefststand angekommen sind, dann wird sie übernehmen”. HANSPETER BÜHLER- RACLE, WEIACH
Muhammad Yunus
„Die Finanzkrise trifft die Armen besonders hart”
Muhammad Yunus hat ein Microcredit System in den USA gestartet. Yunus schätzt dass in den USA 20 Mio. Menschen kein Bankkonto bekommen weil sie nicht kreditwürdig sind.
Heute sendete DRS2 im “Kontext” ein hörenswertes Interview mit dem Sozialphilosophen Johannes Heinrichs:
“In der Weltwirtschaft herrscht Marktwirtschaft pur. Als der Kapitalismus den Wettlauf der Systeme gewann, folgte eine weltweite Globalisierung von Geldwirtschaft, Gütermärkten und Produktionsstandorten. Nun scheint diese Weltwirtschaft am Abgrund zu stehen. Ist es das Ende des Kapitalismus?
Der Bankenkollaps betrifft längst nicht nur die USA, die Rezession schwappt nach Europa herüber. Welchen Ausweg gibt es aus dem Teufelskreis, in dem die Wirtschaft steckt? Fragen von Hansjörg Schultz an den Sozialphilosophen Johannes Heinrichs” (DRS2 http://www.drs2.ch/www/de/drs2/sendungen/kontext/5004.sh10052435.html).
Qui Bono (Wem zum Vorteil), diese Frage stellt sich angesichts der aktuellen Entwicklung der globalen Finanzkrise. So genau lässt sich dies im Moment noch nicht abschätzen, doch was sich mit ziemlicher Sicherheit sagen lässt, ist wer zu den Verlierern gehören wird. Nämlich diejenigen die schon heute mit wenig auskommen müssen (vgl. Muhammad Yunus, FAZ). Im Moment wird noch heftig debattiert ob das US 700 Mrd. Finanzpaket zwingend, sinnvoll oder genügend ist. Kurz, die totale Verwirrung und mittlerweile kostet es die Allgemeinheit schon über 800 Mrd. Dollar, wobei anzunehmen ist, dass die gigantische Staatsverschuldung der USA, wie schon ein beträchtlicher Teil der faulen Hypokredite, exportiert wird. Weiterlesen »
Ein prämierter Film der Filmakademie Baden-Württemberg über das Geldsystem, die Staatsverschuldung und Politik. Schnitt u. Regie: Cristoph Lehmann.
Drastisch, traurig, aber leider ziemlich nahe an der Realität.