Beitrag über ein schon ziemlich altes Buch von Georg Simmel in der NZZ
Erstellt von bluecast am Montag 27. Oktober 2008
Sind die Finanzmärkte am Beben, kommt sogar das CH-Leibblatt der Banker zum Philosophieren über das Geld. In der heutigen Ausgabe der NZZ finder man, im Kulturteil notabene, eine Art Rezension über das Buch “Philosophie des Geldes” von Georg Simmel. Die Rezension kommt etwas spät, denn das Buch wurde schon im Jahre 1900 veröffentlicht!   Â
“… Simmel führt die Macht, die das «fliessende» Geld über das Leben gewonnen hat, allerdings letztlich doch wiederum auf ein Nichts zurück, das dem Papst, mittelbar, recht geben könnte: auf den «Mangel an Definitivem im Zentrum der Seele». Das liesse sich ins Religiöse zurückübersetzen: Gott wohnt nicht mehr im Herzen der Menschen. Es ist dies nach Simmel ein Mangel, der dazu treibe, in immer neuen «Anregungen, Sensationen, äusseren Aktivitäten eine momentane Befriedigung zu suchen»; ein Mangel, der uns «in die wirre Halt- und Rastlosigkeit» verstricke, die sich «bald als Tumult der Grossstadt, bald als Reisemanie, bald als wilde Jagd der Konkurrenz, bald als die spezifisch moderne Treulosigkeit auf den Gebieten des Geschmacks, der Stile, der Gesinnungen, der Beziehungen» offenbare …” (Uwe Justus Wenzel in der NZZ vom 27.10.08).
Was die NZZ nicht erwähnt ist, dass Simmel einer der ersten war der sich ’philosophisch’ mit der Doppelrolle des Geldes als Tauschmittel und Kapital auseinandersetzte (vgl. Flotow von, 1994). Eine ebenfalls zentrale Aussage in seinem Werk „Philosophie des Geldes” ist die Definition von Tausch und Geld als eine „substanzgewordene Sozialstruktur” (Rammstedt, 1994, S.30). Geld ist somit ein allgegenwärtiger Identitätsfaktor einer modernen Gesellschaft und wirkt nach Simmel auch als Hauptantrieb für Wandel und Beschleunigung der Zeit.