Sozialpädagogik asystemisch
Erstellt von bluecast am Mittwoch 21. Mai 2008
Nimmt man das bekannte ‘afrikanische?’ Sprichwort “Die Erziehung eines Kindes braucht ein ganzes Dorf”, so würde das moderne Dorf im 21ten Jahrhundert etwas so aussehen; von angenommen 100 Bewohnern und Bewohnerinnen wollen mindestens 50% mit den lieben Kleinen ihre Geschäfte machen. Das heisst sie verkaufen Babynahrung, Kinderschokolade, Kinderlieder mit so sinnigen Texten wie “Oops I did it again” und für die etwas älteren diverse Markenartikel, Fussballerbildi und Handypornografie.
Natürlich versuchen die gut ein dutzend Eltern im Dorf mit viel persönlichem Einsatz den Nachwuchs bestmöglichst vom allzu grossen Einfluss der Profiteure im globalen Dorf zu schützen. Doch leider haben sie dazu zu wenig Zeit, denn sie sind fast denn ganzen Tag damit beschäftigt zu ackern um all die Bedürfnisse des Nachwuchses und ihr eigenen befriedigen zu können. Nun, was macht der Rest der Dorfbevölkerung? Fast 30 von Ihnen sind schon zu alt zum Arbeiten und geniessen, wenn sie nicht gerade auf Reisen sind, ihren Ruhestand und diskutieren unter der grossen Dorflinde die aktuellen Börsenkurse. Ab und zu kümmern sie sich auch um ihre Enkel, aber natürlich nur ihre Eigenen und nicht die der Fremden, die auch noch die Frechheit haben ihnen den schattigen Platz unter der Linde streitig zu machen. Überhaupt machen diese Jugendlichen nur einen Haufen Probleme und klauen sogar seit neustem die Handys ihrer Enkel mit all den Pornobildchen drauf. Auch gibt es noch ein paar so genannte Asoziale und Sozialschmarotzer die lieber auch den ganzen Tag unter der Linde sitzen wie die Alten oder vom Ackern schon sehr früh einen krummen Rücken bekommen haben und deshalb nicht einmal in der Kinderschokoladenproduktion noch eine Arbeit bekommen. Die Dorfgemeinschaft ist daher heftig am diskutieren wie krumm der Rücken sein muss, um vom Status des Asozialen in den Status eines regulär Unterstützungsberechtigten zu kommen.
Da es mittlerweile recht viele zugewanderte Problemkinder, Unterstützungsberechtigte und auch Asoziale gibt, haben die 100 Dorfbewohner einen halben Schulsozialarbeiter und eine halbe Sozialpädagogin eingestellt. Halb deshalb weil sie ihnen nur einen halben Lohn zahlen und deshalb diese sich noch im Nachbarsdorf verdingen müssen. Diese zwei Professionellen sollen dafür sorgen, dass die Jugendlichen keine Handys mehr klauen und die Asozialen wieder arbeiten. Da diese Integrationsbestrebungen im modernen Dorf nicht mehr wie früher mit der Peitsche oder mit Wasser und Brot durchzusetzen sind, sind die von den Professionellen verfolgten Ansätze nicht in jedem Fall erfolgreich. Unter uns gesagt, sie sind relativ selten wirklich erfolgreich, denn oft wartet man einfach so lange bis die Klienten von den vielen Massnahmen einen sichtbaren krummen Rücken bekommen und dann in den Status der würdigen Unterstützungsberechtigten kommen.
Im Dorf gibt es auch noch eine Gruppe der so genannten Bodenständigen, die finden die Professionellen seien Weicheier und dazu noch unproduktiv. Sie haben deshalb eine Kommission gegründet mit der sie die so genannte Landi-Pädagogik einführen wollen. Eigentlich weiss noch niemand genau was damit gemeint ist, aber folgendes ist schon aus der Kommissionsarbeit durchgesickert: Scheinbar gibt es zwei Fraktionen, die eine will die Probleme mit Ordonanzschuh-Camps lösen und die andere hofft die Leute mit Dauerbeschallung der Nationalhymne auf den richtigen Weg zurück zu bringen.
Die beiden Professionellen sind natürlich aufgeschreckt und fürchten um ihren Job, auch wenn es nur ein halber ist. Sie wollen deshalb das Image ihres Berufsbildes in der Dorfgemeinschaft bekannter machen und verbessern. Sie beschliessen deshalb künftig im Superman und Superwoman Kostüm ihre Arbeit zu verrichten. Das ist auch deshalb praktisch, weil sie das “S” auf dem Kostüm nur noch mit einem “P” ergänzen müssen und schon heisst das “SP” “Social Professional” was natürlich in Englisch viel eindrücklicher ist als das deutsche “Sozialarbeiter”. Sie können zwar, trotz intensivem Training, noch nicht fliegen, aber einige Dorfbewohner glauben immerhin schon sie hätten den Röntgenblick, was insbesonders die Asozialen schwer verunsichert. Wobei dies eigentlich auf einen Irrtum beruht, denn zwei Dorfbewohner haben vor einiger Zeit einer Fachdiskussion der Professionellen gelauscht und folgende Worte aufgeschnappt: es ging um die “Befähigung … der hermeneutischen Kompetenz und des Verstehen eines Falles in der Sprache des Falles selbst (Dewe, 2000, S.292). Der Bezug auf den Götterboten Hermes war wahrscheinlich der Grund dieses Missverständnis. Auf jeden Fall war dies der Anfang eines aufkeimenden neuen Professionsverständnisses der Sozialtätigen und auch die Dorfbewohner bringen nun den beiden Professionellen den nötigen Respekt entgegen. Denn, man kann ja nie wissen?
P.S.:
Nach ein paar Jahren erfolgreicher Sozialarbeit im globalen Dorf kam ein Gerücht auf, das besagt, dass die beiden Professionellen damals angefangen hatten verdeckte Sozialermittler einzusetzen. In den Gesprächen mit ihren Klienten und Klientinnen legten die Professionellen zwar die Karten nie auf den Tisch, aber sie liessen doch ab und zu durchblicken, dass sie viel mehr wussten und mit der Zeit hatten sie so einen Blick drauf der dem Gegenüber bis aufs Mark durchdrang. Es wurde auch viel gemunkelt wer die verdeckten Sozialermittler denn bezahlen würde, denn der karge Lohn der beiden Professionellen hätte dazu nie gereicht. So verdichtete sich schnell das Gerücht, dass das Geld aus dem Kreis der Bodenständigen kommen würde. Jedoch restlos wurde die Angelegenheit nie geklärt. Aus dem fernen England erreichte noch ein anderes Gerücht das globale Dorf. Der Soziologe Anthony Giddens hiess es, hätte als er von diesem innovativen Beispiel schweizerischer “erfinderischer Politik” (Giddens, 1997) erfuhr, trotz seines fortgeschrittenen Alters, einen 2 Meter hohen Luftsprung gemacht. Und auch Max Weber hätte seine Freude dran gehabt, dass eine Profession seine These vom „Professionellen als Magier” (1972) aufs Neue bestätigt.
Quellen:
Dewe, Bernd. (2000). Perspektiven der modernen Professionstheorie… . in Soziale Arbeit. Luchterhand.
Giddens, Anthony. (1997). Jenseits von Links und Rechts, die Zukunft radikaler Demokratie (englisches Originalwerk erschienen 1994). Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
Weber , Max. (1972). Wirtschaft und Gesellschaft. Tübingen.
Sonntag 23. August 2009 um 13:41
ich habe eine frage?
ich habe in Australien als Judendsozialpaedagogik gearbeitet und brauche eine Beschtatigung zum lohn vergleich in die Schweiz. Von wo kann ich diese ausdrucken?
Sonntag 26. Dezember 2010 um 19:56
Wir haben trotz meiner Bedenken den Trick angewenden: www-novolinespielautomat-de ist ein gut funktionierendes System zum Schlagen von Spielautomaten