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Die Götter von heute: Der Mammon regiert!

Erstellt von bluecast am Samstag 15. September 2007

Etwas sehr vereinfacht betrachtet , könnte man darüber spekulieren ob wir (entwickelten) Menschen ohne es zu wissen schon lange alle der gleichen Religion angehören.
Wir beten mehr oder weniger ausgeprägt alle den gleichen Gott Mammon an.

“Das Wort Mammon leitet sich ursprünglich vom aramäischen Wort aman ab und bedeutet das, worauf man vertraut. Einer anderen Quelle zufolge stammt es von dem aramäischen Wort mamona (Vermögen, Besitz) ab. Das Wort gelangte über seine griechische Schreibweise in die Bibel, und in der Vulgata wird daraus lateinisch mam[m]ona. Martin Luther übersetzte das Wort nicht, und so gelangte es als Mammon ab dem 16. Jahrhundert ins Deutsche” (Wikipedia, 2007)

Dies ist auf jeden Fall die Quintessenz der Dissertation von Jochen Weiss «Mammon. Eine Motivgeschichte zur Religiosität des Geldes» an der Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaft der Uni Mannheim. Er zeichnet akribisch nach wie aus den frühen Opferritualen mit der Zeit unser modernes schulden basiertes Geldsystem entstanden ist. Das Werk ist sehr umfangreich und behandelt die vorchristlichen Formen ebenso wir die luthereranische Ethik und den modernen Kapitalismus. Es gibt Kapitel die sich “Kapitalistische Magie” oder “Die satanische Mission Mammons” nennen. Im Schlusskapitel “6. Allmacht Mammons” kommt er noch zu “Mammons Abstraktion im digitalen Geld” und zeigt alternative Wege aus der Sinnkrise und Finanzkrise heraus.

Besonders die Verbindung von Mammon mit dem Begriff satanische Mission finde ich bemerkenswert, denn es gibt in gewissen islamischen Traditionen (Sufismus) die Idee das die satanische Mission oder auch die satanische Welt identisch mit der materiellen Welt ist. Für sich alleine betrachtet ist die materielle Welt ja wertfrei, sie ist die Grundlage des Universums und ihre Prinzipien in Physik, Chemie und Mathematik sind doch ein erstaunlicher Ausdruck der Schöpfung. Auch das Geld basiert mit seiner schwer durchschaubaren Logik im Grunde auf ein paar wenigen mathematischen Prinzipien. Doch für uns Menschen ist dies kein taugliches Prinzip um an der Schöpfung sinnvoll zu partizipieren. Denn für uns ist die kalte Logik des Geldes ein Spiel mit dem Schicksal und klammert, wie in der materiellen Welt auch, die Qualitäten von Begriffen wie Solidarität, Nächstenliebe oder Kooperation gänzlich aus. Schon in der biologischen oder pflanzlichen Welt können wir Kooperation von verschiedenen Organismen sehen die es auf der logischen materiellen Ebene nicht gibt. Die Logik basiert auf 0 und 1 oder schwarz und weiss, entweder ist man Gewinner oder Verlierer, es gibt auch keinen Tod und keine Geburt, alles ist eine stetige Umwandlung von Energieformen nach den Gesetzen von Logik und Physik.

Was für uns Menschen dabei herauskommen kann, hat schon Fritz Lang in seinem Stummfilm Metropolis aus dem Jahr 1927 dargestellt. Die kitschige Handlung und die teilweise überladene Trickanimation übertünchen zwar den bemerkenswerten Ansatz der Anbetung der Maschine Mammon, trotzdem bleibt der Filmklassiker ein sehenswertes Dokument und ist natürlich auch kurzweiliger als eine 330 seitige Dissertation.

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